Heidelbergs Lebensadern und ihre Profis 

Einblicke in die Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik bei den Stadtwerken Heidelberg 

Ein Stromnetz, das mit 1.765 Kilometern Kabellänge Athen erreichen würde, 22.116 Stromanschlüsse und eine 885.000 Meter lange Erdgasleitung – Heidelberg hat viele versteckte Lebensadern, die dafür sorgen, dass die Stadt am Neckar mit Energie versorgt wird. Sie zu planen, in Takt zu halten, auszubauen und immer auf den neuesten Stand der Technik zu bringen – dafür arbeiten täglich 62 Monteure und Techniker und 18 Azubis bei den Stadtwerken Heidelberg. Marc ist einer von ihnen. Seit fast zwei Jahren ist er dabei und lernt das Know-how eines Elektronikers für Energie- und Gebäudetechnik. „Viele kennen Heidelberg, das Schloss und die Altstadt. Doch sie wissen nicht, was dahintersteckt. Wir lernen, wie das Versorgungssystem funktioniert und was es braucht, damit der Strom überhaupt aus der Steckdose kommt“, erzählt Marc.


Ein Blick in den Ausbildungsplan des 18-Jährigen verrät: Alle elektrotechnischen Bereiche sind vertreten. Ob Kabel- und Freileitungsnetz, Beleuchtung, Schaltanlage oder Telekommunikation – die dreieinhalbjährige Ausbildung bei den Stadtwerken Heidelberg macht die Azubis fit für ihren Job. Seit 1956 bilden die Stadtwerke Heidelberg Elektroniker aus. Dabei legt das Unternehmen Wert darauf, seine Azubis umfassend auszubilden und gleichzeitig die Fähigkeiten zu vermitteln, die speziell bei den Stadtwerken Heidelberg benötigt werden. Immer im Wechsel sind die Azubis 14 Tage lang im Betrieb und acht Tage an der Carl-Bosch-Berufsschule in Heidelberg – Mathe, Physik, Technisches Englisch, Projekt- und berufsfachliche Kompetenz stehen unter anderen auf dem Stundenplan. „Das unterscheidet uns von anderen. Wir bilden die jungen Leute in Theorie und Praxis richtig gut aus, alle zwei Monate geht es in eine andere Abteilung. In kleinen Elektrofirmen ist das meistens nicht leistbar.“ Sascha Hohneder, Ausbildungsleiter Technik, weiß, wovon er spricht. Er arbeitet seit 20 Jahren bei den Stadtwerken und bringt seinen Schützlingen mit Leidenschaft das echte Handwerk von der Pike auf bei.


Zu Beginn der Ausbildung verbringen die Auszubildenden viel Zeit in der Lehrwerkstatt. Der große Raum in der Kurfürsten-Anlage erinnert an die Schulzeit: Zehn Tische reihen sich neben und hintereinander auf, Holzwände an den Stirnseiten sind durchsäht mit Löchern, Steckern und Kabelschlitzen. „Hier ist Genauigkeit gefragt“, erklärt Sascha Hohneder. „In der Grundausbildung üben wir alle Grundlagen, die ein Elektroniker benötigt, um zum Beispiel Schaltungen und Stromkreise aufzubauen. Bohren, feilen und sägen gehören da auch mit dazu.“ Ein halbes Jahr haben Marc und sein 17 Jahre alter Azubi-Kollege Can in seiner Arbeitsgruppe gelernt. Jetzt sind sie meistens draußen mit den Monteuren und Technikern in der Stadt unterwegs.


Kabelleitungen, Beleuchtung und Schaltanlagen – Wer hinter den Lebensadern der Stadt steckt
Ob in den Gemäuern von Heidelberg, versteckt unter der Hauptstraße oder in luftiger Höhe: Die Elektroniker der Stadtwerke Heidelberg planen, verlegen, montieren und warten Erdkabel, Freileitungen und Hausanschlüsse. Muss die Stromversorgung übers Dach geführt werden, erstellen sie neue Anschlüsse und befestigen Dachständer. „Auf unserem Übungsdach bekommen die Azubis ein Gefühl dafür, wie es ist, sich auf dem Dach zu bewegen und welche Kräfte wirken. Mehrfach gesichert natürlich“, sagt Sascha Hohneder.
Bei den Beleuchtungsmonteuren geht es oft hoch hinaus. Herr Schober, seit 10 Jahren in diesem Bereich tätig, erklärt: „Wir arbeiten vor allem an den Leuchten. Ab 18 dürfen unsere Azubis den Korb – des Hubsteigerfahrzeuges – bedienen. Für viele ein Highlight.“ Die Aufgaben sind vielfältig: von Leuchten montieren, überprüfen und instand setzen, z.B. defekte Leuchtmittel und Komponenten ersetzen über Kabelfehler eingrenzen bis hin zur Parametrierung von LED-Leuchten zur Einbindung in intelligente Systeme. Durch ihre Arbeit sorgen Herr Schober und seine Azubis auch für das abendliche Ambiente in Heidelberg. „Erst wir machen Heidelberg so richtig romantisch. Öffentliche Anstrahlungen, wie zum Beispiel die der Theodor-Heuss-Brücke und andere öffentliche Bauwerken, liegen in unserer Hand. Oder, nicht zu vergessen: alljährlich die stimmungsvolle Weihnachtsbeleuchtung in der Altstadt.“

Im Rahmen des derzeitigen umfassenden Modernisierungs-Programms der Straßenbeleuchtung bekommen die Azubis außerdem gleich ein Gespür dafür, was es bedeutet, verantwortlich, klima- und naturschützend für die Region tätig zu sein.
Die Stadtwerke Heidelberg sorgen darüber hinaus dafür, dass Kunden in Heidelberg ihre Daten von A nach B transportieren können – mittels eigener Fernmeldenetze und installierten Breitbandkommunikationsanlagen. „Die Azubis lernen bei uns alles rund um den Fernmeldebau, zum Beispiel wie Fernmeldemuffen, also Verbindungsstücke im Netz, montiert werden“, so Alexander Böing, zuständiger Monteur im Bereich Telekommunikation. Außerdem ist die Abteilung für den Messwagen verantwortlich, mit dem Niederspannungsfehler im Kabelnetz und in der Beleuchtung eingemessen werden.


Hochspannend geht es in Michael Wölperts Team zu. Heute begehen er und Marc die Station in der alten Brücke, eine von 649 Trafostationen in der Stadt, die Schaltanlagen beherbergen. Sie sind Netz-Knotenpunkte und verteilen oder spannen elektrische Energie um. Marc erinnert sich: „Das erste, was ich hier gelernt habe: Die Händ‘ in die Dasch un pfeife.“ Er lacht und erklärt: „In den Stationen gibt es Spannungen von bis zu 20.000 Volt. Da ist es wichtig, dass wir auf unsere Ausbilder hören und erstmal nichts anfassen.“ Ein genauer Blick in die Anlage verrät: Heute läuft alles nach Plan. „Doch tritt irgendwo ein Fehler auf, sind wir die ersten vor Ort, um ihn so schnell wie möglich zu beheben“, betont Michael Wölpert. Neben den Begehungen kümmert sich die Abteilung um Stromanschlüsse auf Baustellen und Notstromaggregate.


Azubis bei den Stadtwerken Heidelberg – Tüftler auch außerhalb der Arbeit
Mit 15 Jahren hat Sascha Hohneder seine Lehre bei den Stadtwerken begonnen, hat seinen Meister gemacht und ist jetzt Ausbildungsleiter der Technik. Er weiß, worauf es bei den Azubis ankommt. „Das Menschliche muss passen. Aber auch Motivation, Teamfähigkeit, Eltern, die hinter der Ausbildung stehen, und handwerkliches Geschick sind von Vorteil.“ Wie bei Can. „Mein Vater ist Heizungsmonteur, mein Onkel Schlosser, und wir haben viel an Fahrrädern oder Autos rumgeschraubt. Das Handwerkliche wollte ich schon immer in meinem Leben haben“, erzählt Can, der nicht lange ruhig im Büro oder am PC sitzen kann. „Ich will mich bewegen.“ „Bei mir ist es auch so“, klinkt sich Marc ein. Sein Vater repariert große Druckmaschinen und in den Ferien durfte er mithelfen. „Schon da hab‘ ich gemerkt, dass das mein Ding ist.“ Ständig fällt dem engagierten jungen Mann etwas zum Basteln ein. „Daheim in meinem Zimmer baue ich immer wieder was Neues, was Verrücktes.“ Für seinen neuen Fernseher etwa hat er kürzlich einen Kabelkanal mit Steckdosen und vielen verschiedenen Anschlüssen selbst gefertigt.


Ausbildung als Einstieg: vom Azubi zum Angestellten
Etwa 95 Prozent der Elektroniker, die bei den Stadtwerken Heidelberg arbeiten, haben hier auch ihre Ausbildung absolviert. Das Unternehmen hat großes Interesse, gute Auszubildende nach der Lehre zu übernehmen. „Wenn die Azubis sich gut entwickeln, Einsatz und Engagement zeigen, stehen die Chancen auf Übernahme sehr gut“, so Sascha Hohneder. Viele machen nach der Ausbildung den Meisterbrief, den Techniker oder studieren Ingenieurswesen. Marc und Can wollen fleißig lernen und sich vielleicht nach ihrem Gesellenabschluss weiterbilden. „Mein Vater sagt immer: Bleib nicht stehen, geh weiter! Und das Tolle ist: Hier kannst du das tun. Wir bekommen von allen Seiten Unterstützung und alles, was wir brauchen, um uns weiterzuentwickeln. Nur der Wille muss da sein und man muss machen“, sagt Can.


Motivieren und fördern – für einen guten Draht zueinander
Ob finanzielle Hilfen beim Meisterbrief, Freistellung für eine Lernphase oder Teambildung – die Stadtwerke Heidelberg unterstützen ihre Auszubildenden in vielerlei Hinsicht. Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter 18 Jahren und für Azubis und Studenten bis zum 25. Lebensjahr ist die JAV, die Jugend- und Auszubildendenvertretung, direkter Ansprechpartner. Als Teil des Betriebsrats überwacht sie die Ausbildung und wirkt bei Maßnahmen mit, die die Beschäftigten und insbesondere den Nachwuchs noch stärker zusammenbringen. „Wir haben Betriebssportangebote wie Fußball, Laufen oder Kampfsport und einen Fitnessraum. Wir organisieren zum Beispiel verschiedene Ausflüge wie der Besuch im Kletterpark oder Laser-Tag-Spielen“, so Alexander Böing, der sich seit mehreren Jahren in der JAV engagiert.


Gemeinsam etwas erreichen – dafür legen die Stadtwerke Heidelberg bereits zu Ausbildungsbeginn die Grundlagen: In der Einführungswoche lernen die Azubis den regionalen Energieversorger kennen. Die Neuen treffen auf die „alten“ Azubis und Ausbildungsmeister, so dass sie sich gleich von Anfang an kennenlernen und austauschen. Bei einer Willkommensveranstaltung können sich auch die Eltern ein Bild vom neuen Arbeitgeber ihrer Kinder machen.
Wer sich sozial engagiert, wird ebenfalls gefördert. Marc zum Beispiel. Er ist bei der freiwilligen Feuerwehr und Sanitäter beim freiwilligen Deutschen Roten Kreuz. „Muss ich mal auf einen Einsatz, schauen meine Ausbilder, dass wir das hinbekommen. Das finde ich klasse, denn ich möchte da unbedingt weitermachen.“


Auch Can fühlt sich rundum wohl, es sprudelt förmlich aus ihm heraus. „Ich habe nette Personen um mich herum, wir lachen viel, haben Spaß, arbeiten natürlich auch, ich lerne immer was Neues dazu und langweilig wird es nie. Ich fühle mich richtig wohl, weil ich mich offen mit den Kollegen unterhalten kann. Wir haben einen sehr guten Draht zueinander.“ Noch heute ist Can einem Freund seines Vaters dankbar, der nach dem Meisterbrief zu den Stadtwerken Heidelberg gegangen ist und mit Passion für die Stadt am Neckar arbeitet. „Durch ihn bin ich überhaupt erst auf die Firma gekommen.“ Und Marc? Ihm gefällt die Ausbildung so gut, dass er bei seinem Bruder ordentlich Werbung dafür gemacht hat. Seit 1. September 2017 ist auch er einer von ihnen.

Die Ausbildung auf einen Blick 

  • Ausbildungsbeginn: 1. September
  • Regelausbildungsdauer: 3,5 Jahre
  • Ausbildungsvoraussetzungen: guter Hauptschulabschluss oder höher
  • Berufsschule: Carl-Bosch-Schule, Heidelberg
  • Zusätzliche überbetriebliche Ausbildung mit Grund- und Aufbaukursen zu Elektrotechnik bei der Handwerkskammer Mannheim
  • Typische Weiterbildung: Meister oder Techniker, Ingenieurstudium

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Aktuelle Projekte und weitere Vorhaben: Hier lesen Sie, wo wir bei der Umsetzung der Energiewende vor Ort stehen und was wir noch vorhaben.

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